BITTE BEACHTEN SIE:

 

ALLE ENTSCHEIDUNGEN UND BEITRÄGE SIND NACH BESTEM WISSEN ZUSAMMENGESTELLT. EINE HAFTUNG FÜR DEREN INHALT ÜBERNEHMEN WIR JEDOCH NICHT. FÜR RÜCKFRAGEN STEHEN WIR IHNEN NATÜRLICH GERNE ZUR VERFÜGUNG.

 

RECHT AKTUELL: Weihnachten und Recht – Teil 1

 

Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen wollen wir einmal kurz und bündig über das Thema „Weihachten und Recht“ informieren. Denn auch hier kann es Meinungsverschiedenheiten bis hin zu gerichtlichen Auseinandersetzungen geben.

 

Wie viel Weihnachtsdekoration darf mein Nachbar aufhängen, muss man nervig blinkende Lichterketten eigentlich anstandslos hinnehmen? Lichterketten sind mittlerweile so stark verbreitet, dass sowohl Vermieter als auch Nachbarn sie grundsätzlich dulden müssen. Nicht hinzunehmen wäre indes, wenn die Beleuchtung des Nachbarn das eigene Schlafzimmer so hell erleuchtet, dass man am Schlafen gehindert wird. Im Zweifel sollten die Lichter spätestens ab 22:00 Uhr ausgeschaltet werden. Darüber hinaus muss die Dekoration so gesichert sein, dass sie auch bei starkem Wind nicht herunterfällt oder Personen verletzt oder andere Sachen beschädigt (Landgericht Berlin - Az.: 65 S 390/09). Beim Anbringen von Deko an der Außenfassade muss Übrigens der Vermieter grundsätzlich um Erlaubnis gebeten werden, der aber nicht nach seinem persönlichen Geschmack entscheiden darf. Maßgebend sind die Gegebenheiten vor Ort. Wenn also beispielsweise Nachbarwohnungen oder Häuser großzügig dekoriert sind oder der Schmuck im Hinterhof von außen nicht sichtbar ist, kann der Vermieter ein Verbot kaum wegen einer vermeintlich „schlechten Optik“ begründen.

 

Kann der Arbeitgeber eigentlich verlangen, dass am 24.12. gearbeitet wird? Ja, das ist grundsätzlich möglich, denn der 24. Dezember ist kein gesetzlicher Feiertag. Feiertagsregelungen gelten nur für den 25. und 26. Dezember, wobei aber auch für diese Tage Ausnahmen vertraglich vereinbart werden können, was beispielsweise in der Gastronomie regelmäßig der Fall ist.

 

Wird fortgesetzt. (13.12.2018 ra)

 

 

RECHT AKTUELL: Schneefall, Glatteis und Lawinen…

 

Schneefall, Glatteis, Lawinen… Der Winter hat nicht nur angenehme sondern durchaus auch garstige Seiten. Wer da nicht aufpasst und Gehwege und Hauszugänge räumt und streut, läuft leicht Gefahr, bei einem Unfall in die Haftung genommen zu werden. Grundsätzlich gilt an Werktagen nämlich bereits ab 07:00 Uhr morgens eine Räum- und Streupflicht, die mindestens bis abends um 20:00 Uhr fortdauert. An Sonn- und Feiertagen kann länger geschlafen werden, dort beginnt die Räumpflicht in der Regel erst um 09:00 Uhr, wobei Satzungen der Gemeinden und Städte abweichende Regelungen vorsehen können. Eigentlich ist die Gemeinde für das Räumen und Streuen zuständig, die diese Pflicht jedoch meistens auf die Anlieger delegiert, also die Hauseigentümer, wobei Vermieter wiederum die Räumpflicht häufig auf ihre Mieter umlegen. Es empfiehlt sich daher dringend, neben den Vorgaben der Gemeinde auch die Regelungen im Mietvertrag oder der Hausordnung gründlich nachzulesen. Allerdings müssen Vermieter immer wieder kontrollieren, ob das Räumen und Streuen auch tatsächlich klappt, sonst haftet auch der Vermieter für potentielle Schadensfälle. Wer keine Zeit hat, selbst zu räumen, beispielsweise berufsbedingt, muss andere damit beauftragen. Auf Gehwegen muss ein Streifen mit einer Breite von mindestens 1,20 Meter freigeschaufelt werden, Schnee und Eis dürfen natürlich nicht auf der Fahrbahn abgelegt werden, sondern dürfen allenfalls am Rand der Verkehrsfläche angehäuft werden. Auf wenig genutzten Zugängen zu Privatwohnungen kann eine Breite von einem halben Meter ausreichend sein, auch Zugänge zu Haus, Keller oder Mülltonnen müssen freigehalten werden. Sobald Boden gefriert, muss gestreut werden. Rund ums Haus herum mit Granulat, Sand oder Split. Ob Streusalz verwendet werden darf oder nicht, ist unterschiedlich geregelt. In den meisten Gemeinden ist Streusalz mittlerweile verboten oder nur dann ausnahmsweise erlaubt, wenn eine Gefahr auf andere Weise nicht beseitigt werden kann, wie beispielsweise bei starkem Gefälle oder gefährlichen Treppen. Stürzt eine Dachlawine auf ein geparktes Auto oder auf einen Passanten, haftet der Grundstückseigentümer nicht in jedem Fall. In schneereichen Gegenden können allerdings Schneefanggitter an Hausdächern vorgeschrieben sein, in schneeärmeren Regionen muss der Hauseigentümer vor drohenden Dachlawinen zumindest erkennbar warnen. Verletzt sich ein Fußgänger durch einen Sturz, so muss er grundsätzlich beweisen, dass im Unfallbereich eine Räum- und Streupflicht bestand und dieser nicht rechtzeitig nachgekommen wurde. Außerdem muss der Geschädigte beweisen, dass der Unfall kausal auf die unterlassene Räumung zurückzuführen gewesen ist. Das wird von Gerichten teilweise zugunsten des Verletzten vermutet. Manchmal bekommt der Verletzte aber nicht den gesamten Schaden ersetzt, beispielsweise dann, wenn der Räumpflichtige seinerseits beweisen kann, dass der Verletzte eine Mitschuld trägt. Dies kann z.B. dann der Fall sein, wenn der Witterung nicht entsprechende, völlig untaugliche Schuhe ohne Profil benutzt wurden, was zu einer erheblichen Kürzung der Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche führen kann (06.12.2018 ra). 

 

 

STRASSENVERKEHRSRECHT AKTUELL: Winterreifenpflicht

 

Winterliche Straßenverhältnisse, gerade im Schwarzwald-Baar-Kreis keine Seltenheit. Da stellt sich für manchen Autofahrer die Frage, welche Vorschriften hier zu beachten sind. Noch recht neu ist die Regelung, die am 01.01.2018 in Kraft getreten ist: Es ist nun nicht mehr ausreichend, wenn die (neue) Reifen mit einer M+S-Kennzeichnung versehen sind. Als wintertauglich gelten jetzt nur noch Reifen, die mit dem Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) gekennzeichnet sind. Dies liegt daran, dass die Bezeichnung „M+S“ keinen einheitlichen Prüfkriterien unterlag, beim Alpine-Symbol muss der Reifen hingegen mit einem standardisierten Modell verglichen werden und einheitliche Prüfverfahren und strenge Kriterien überstehen. Allerdings gelten bis zum 30.09.2024 Reifen mit der M+S-Kennzeichnung als wintertauglich, allerdings nur dann, wenn sie bis zum 31.12.2017 hergestellt wurden. Hierdurch sollen finanzielle Härten vermieden und bereits gekaufte Reifen noch aufgefahren werden können. Es gibt übrigens keinen fest definierten Zeitraum, während dessen eine generelle Winterreifenpflicht bestünde. Ein bestimmter Zeitraum, beispielsweise vom 01.10. bis zum 30.04. des darauffolgenden Jahres ist – zumindest in Deutschland, im Ausland können andere Regeln gelten - nicht vorgeschrieben, sodass es also bei einer sogenannten „situativen Winterreifenpflicht“ bleibt, wonach Winterreifen oder Reifen, die der Richtlinie 92/23/EWG entsprechen, genutzt werden müssen, wenn „Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte“ vorherrscht, § 2 Abs. 3a StVO. Diese Verhaltensvorschrift betrifft alle Kraftfahrzeugführer und -halter, also auch solche mit Fahrzeugen, die im Ausland zugelassen sind. Die Regelung zieht also ein Benutzungsverbot für Sommerreifen bei winterlichen Straßenverhältnissen nach sich. Bereits ein einfacher Verstoß wird mit einem Bußgeld in Höhe von EUR 60,00 geahndet. Außerdem wird 1 Punkt im Fahreignungsregister eingetragen. Bei zusätzlicher Behinderung muss mit einem Bußgeld von mindestens EUR 80,00 und 1 Punkt gerechnet werden. Neu ist, dass auch der Halter, der die Inbetriebnahme ohne die erforderliche Bereifung mit dem Alpine-Symbol anordnet oder zulässt, mit einer Geldbuße von EUR 75,00 und der Eintragung eines Punkts im Fahreignungsregister zu rechnen hat. Übrigens: Kommt es wegen der Benutzung von Sommerreifen zu einem Unfall, kann dies zu erheblichen Leistungskürzungen der Kaskoversicherung wegen grober Fahrlässigkeit (§ 81 VVG) führen. Auch dies sollte also rechtzeitig in die Winterplanungen einbezogen werden (29.11.2018 ra).

 

 

ZIVILRECHT: Der will nur spielen… Spaziergänger darf sich gegen nicht angeleinten Hund wehren

 

 

Nähert sich einem Spaziergänger ein nicht angeleinter Hund, den der Hundehalter offensichtlich nicht unter Kontrolle hat, dürfen effektive Abwehrmaßnahmen ergriffen werden. Das Oberlandesgericht (OLG) Koblenz hat durch Beschluss vom 18.10.2018 (Az.: 1 U 599/18) entschieden, dass der Abwehrende angesichts der Unberechenbarkeit tierischen Verhaltens zuvor nicht analysieren und bewerten muss, ob das Verhalten des Tieres nun auf eine konkrete Gefahr schließen lässt oder nicht. Im zugrundeliegenden Sachverhalt joggte der hundeführende Kläger im Wald, wobei er an der Leine eine Hündin mit sich führte. Zur gleichen Zeit gingen nun dort aber auch der Beklagte und seine Ehefrau mit ihrem Hund spazieren, die ihren Hund nicht angeleint hatten. Nach der örtlichen Gefahrenabwehrverordnung bestand aber die Verpflichtung, Hunde außerhalb bebauter Ortslagen umgehend und ohne Aufforderung anzuleinen, wenn sich andere Personen näherten oder sichtbar wurden. Der Hund des Beklagten verschwand aber aus dessen Sichtweite und rannte auf den Kläger zu, der wiederum zunächst den für ihn nicht sichtbaren Hundehalter lauthals aufforderte, den Hund zurückzurufen und anzuleinen. Trotz entsprechender Rufe des Beklagten kam dessen Hund aber nicht zu ihm zurück, sodass der Kläger versuchte, den Hund des Beklagten mit einem Ast von sich fernzuhalten. Hierbei rutschte der Kläger nun aber aus und zog sich eine Ruptur der Quadrizepssehne zu. Der Beklagte hatte sich gegen Schadensersatzansprüche des Klägers mit der Argumentation gewehrt, sein Hund habe lediglich die vom Kläger mitgeführte Hündin umtänzelt, um mit dieser zu spielen. Sein Hund habe sich erkennbar nicht aggressiv verhalten. Die Abwehrhandlung des Klägers sei daher nicht erforderlich gewesen, weshalb er nicht für die dem Kläger entstandenen Schäden hafte. Zumindest aber müsse sich der Kläger ein Mitverschulden anrechnen lassen. Diesem Ansinnen war bereits das erstinstanzlich zuständige Landgericht (LG) in Mainz entgegengetreten und hatte die uneingeschränkte Haftung des Beklagten für die dem Kläger entstandenen Schäden festgestellt. Auch das Oberlandesgericht Koblenz bestätigte nun diese Entscheidung und wies den Beklagten darauf hin, dass er für die Schäden des Klägers aufzukommen habe, weil er gegen die örtliche Gefahrenabwehrverordnung verstoßen habe. Ohne Bedeutung sei, ob der Hund des Beklagten nur mit der vom Kläger mitgeführten Hündin habe spielen wollen, weil einem Spaziergänger, egal ob mit oder ohne eigenen Hund, unter Berücksichtigung der Unberechenbarkeit tierischen Verhaltens nicht zumutbar gewesen sei, zunächst das Verhalten des Hundes auf seine Gefährlichkeit zu analysieren und zu bewerten. Dabei hätte die Gefahr bestanden, dass das Verhalten des Hundes eventuell falsch interpretiert werde. Gelange ein fremder Hund unangeleint und ohne Kontrolle durch den Halter in die Nähe eines Spaziergängers, dürfe dieser effektive Abwehrmaßnahmen ergreifen. Verletze er sich hierbei, treffe ihn kein Mitverschulden und der Hundehalter hafte in vollem Umfang (22.11.2018 ra).

 

FAMILIENRECHT: Müssen Kinder ihren Eltern im Haushalt eigentlich helfen?

 

In einem Haushalt gibt es immer viel zu tun. Es stellt sich dann manchmal die Frage, ob Kinder im Haushalt helfen sollen oder sogar Aufgaben zuhause übernehmen müssen. Die Antwort ist für viele sicherlich überraschend, andererseits aber sogar gesetzlich geregelt: § 1619 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) bestimmt, dass Kinder verpflichtet sind, ihren Eltern zu helfen. Solange ein Kind bei seinen Eltern wohnt und von diesen unterhalten wird, muss das Kind „in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste“ leisten. Diese Regelung schließt übrigens nicht nur die Pflicht des Kindes ein, seinen Eltern im Haushalt zu helfen, sondern auch im Geschäft, in der Gaststätte oder auf dem Bauernhof. Die Pflicht gilt, solange das Kind noch zu Hause wohnt, also selbst dann, wenn es volljährig oder verheiratet ist. Erst wenn das Kind von zu Hause auszieht, endet die Pflicht nach § 1619 BGB. Das Gesetz selbst sagt nichts darüber aus, wie lange Kinder und Jugendliche zeitlich im Haushalt helfen sollen. Der Umfang hängt im Wesentlichen vom Alter des Kindes, seinen körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeiten und seiner Gesundheit ab. Für einen 14-jährigen kann es deshalb durchaus angemessen sein, bis zu sieben Stunden in der Woche im Haushalt zu helfen, wobei sich diese Zahl erhöhen kann, wenn ein Elternteil oder gar beide Eltern krank oder ganztägig berufstätig sind. Allerdings darf die Mithilfe im Haushalt nicht dazu führen, dass einem Kind keine Zeit mehr für Hausaufgaben oder Hobbys bleibt. Von der Pflicht zur Mithilfe befreit sind ohnehin zum größten Teil Jugendliche, die eine Ausbildung absolvieren. Darüber hinaus gibt es natürlich auch noch weitere Grenzen, beispielsweise beim Einkaufen, denn bis zum 18. Lebensjahr sind Kinder nur beschränkt geschäftsfähig. Auch beim Kauf von Alkohol und Tabak ist die Gesetzeslage eindeutig, das Jugendschutzgesetz verbietet es, Tabak an Kinder unter 18 Jahre zu verkaufen. Gleiches gilt auch für Hochprozentiges wie Spirituosen o.ä.. Um Einwendungen Kinder oder Jugendlicher abzuwenden: Die Mithilfe im Haushalt nach § 1619 BGB widerspricht natürlich nicht dem grundsätzlichen Verbot der Kinderarbeit, das sich nur auf arbeitsrechtliche Dienstverhältnisse bezieht. Trotz der gesetzlich normierten Pflicht, im Haushalt mitzuhelfen, können Kinder rechtlich, beispielsweise über gerichtliche Schritte, die natürlich sowieso niemand einleiten würde, nicht dazu gezwungen werden. Umgekehrt können Kinder aber auch nicht auf Geld für ihre Hilfe pochen (15.11.2018 ra).

 

 

SCHADENSERSATZRECHT: Schulschläger muss Schmerzensgeld bezahlen

 

Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm musste sich mit einer Schulhofschlägerei zweier Schüler befassen und hat entschieden, dass der Schläger dem Geschädigten ein Schmerzensgeld i.H.v. EUR 1.000,00 für eine billigend in Kauf genommene Augenverletzung bezahlen muss. Was war konkret geschehen? Ein Schüler erlitt während eines Schulbesuchs durch zwei Schläge eines Mitschülers eine schwerwiegende Augenverletzung. Das OLG Hamm musste deshalb den Sachverhalt rechtlich bewerten und kam dabei zu dem Ergebnis (Urt. v. 08.11.2013, Az.: 26 U 31/13), dass der Geschädigte vom Schädiger ein Schmerzensgeld verlangen kann, das wiederum den vom Schläger billigend in Kauf genommen Verletzungen Rechnung trägt. Weitergehende, vom Vorsatz des Schädigers nicht umfasste Verletzungsfolgen sind bei der Bemessung des Schmerzensgeldes nicht zu berücksichtigen. Die 14-jährigen Jugendlichen waren Schüler einer Hauptschule. Nachdem sich der Kläger über eine Rangelei des Beklagten lustig gemacht hatte, fühlte sich dieser nach Ende einer Schulstunde durch den Kläger provoziert. Auf dem Weg zum Pausenhof drängte er deshalb den Kläger in eine Ecke des Treppenhauses, wo er ihm zwei Schläge gegen das rechte Auge versetzte, weil ihm „die Sicherungen durchgebrannt" waren. Der Kläger jedenfalls erlitt eine schwere Gehirnerschütterung, eine Prellung, ein Hämatom am rechten Auge und eine Augenhöhlenfraktur, die aufgrund eines eingeklemmten Augenmuskels operativ behandelt werden musste. Er verlangte deshalb unter Hinweis auf bleibende Verletzungsfolgen (Wahrnehmung von Doppelbildern, Einschlafstörungen und wiederkehrenden Kopfschmerzen) vom Beklagten ein Schmerzensgeld von EUR 20.000,00. Das OLG Hamm hat dem Kläger ein Schmerzensgeld von EUR 1.000,00 zugesprochen und hat darauf hingewiesen, dass der Beklagte für seine vorsätzliche und rechtswidrige Körperverletzung haftet. Er habe dem Kläger aus Wut zwei Schläge ins Gesicht versetzt. Wegen einer im Sozialgesetzbuch (SGB) geregelten Haftungsprivilegierung, die auch für Schulen gelte, reiche eine vorsätzliche Verletzungshandlung aber nicht aus, um einen Ersatzanspruch zu begründen. Erforderlich sei auch eine vorsätzlich herbeigeführte Verletzungsfolge. Im entschiedenen Fall, der aber nicht verallgemeinert werden darf, könne das Gericht nicht davon ausgehen, dass der Beklagte die tatsächlich eingetretenen schweren Folgen beabsichtigt oder auch nur für möglich erachtet habe. Wegen seiner Wut sei aber anzunehmen, dass er nicht nur ein blaues Auge sondern auch eine Gehirnerschütterung zumindest billigend in Kauf genommen habe. Diese Folgen seien ihm deshalb bei der Bemessung des Schmerzensgeldes zuzurechnen (08.11.2018 ra).

 

 

STRASSENVERKEHRSRECHT: Wann darf man Nebelscheinwerfer benutzen?

 

Viele Dinge haben sich, aus welchen Gründen auch immer, in die Köpfe der Autofahrer eingeschlichen. Dumm ist dies natürlich dann, wenn es sich um gefährliches Halbwissen handelt und die entsprechenden Thesen falsch sind und in einer sinnlosen Diskussion mit der Polizei enden, insbesondere dann, wenn aufgrund eines Fehlverhaltens auch noch ein Bußgeld verhängt werden soll. Beliebtes Thema unter Deutschlands Fahrzeuglenkern ist die Debatte um das Einschalten des Nebellichts und insbesondere der Nebelschlussleuchte. Nebelscheinwerfer sind entgegen des Wortlauts nicht nur bei "dicker Suppe" eine Hilfe. Man darf sie deshalb laut Straßenverkehrsordnung (StVO) einschalten, wenn Nebel, Regen oder Schneefall "die Sicht erheblich behindern". Auch und gerade bei Dunkelheit und Schneefall verbessern Nebel(front)scheinwerfer die Sicht ganz erheblich und sollten deshalb durchaus auch benutzt werden. Anders sieht dies indes bei einer Nebelschlussleuchte aus, viele Autofahrer schalten diese im Vergleich zu herkömmlichen Rückleuchten fast 20x stärker rot strahlenden Nebelschussleuchten ganz nach Gefühl und eigenem Gutdünken ein, getreu dem Motto: „Hauptsache mein Hintermann kann mich gut sehen.“ Egal ob Nebel oder Regen, die Nebelschlussleuchte gehört nach (falscher) Meinung vieler unbedingt eingeschaltet. Doch das ist nicht nur falsch sondern auch gefährlich für den nachfolgenden Kraftfahrer, deshalb gibt es klar definierte Regeln für die Benutzung der Nebelschlussleuchte: Diese darf nur dann eingeschaltet werden, wenn die Sicht durch Nebel sehr stark eingeschränkt ist. Genau gesagt heißt es in § 17 StVO, dass die Sichtweite durch Nebel (und nicht etwa durch Regen oder Schnee) unter 50 Meter betragen muss. Übrigens, was viele nicht wissen: Bei schlechter Sicht unter 50 Metern ist es auch verboten, schneller als 50 km/h zu fahren! In § 3 Abs. 1 S. 3 StVO heißt es nämlich: Beträgt die Sichtweite durch Nebel, Schneefall oder Regen weniger als 50 m, darf nicht schneller als 50 km/h gefahren werden, wenn nicht sogar eine geringere Geschwindigkeit geboten ist. Nachdem Sie nun auch über dieses Thema bestens informiert sind, wünschen wir Ihnen weiterhin eine allzeit sichere und unfallfreie Fahrt. (31.10.2018 ra)

 

 

POLIZEIRECHT: Vorläufige Festnahme und Polizeigewahrsam

 

Leider beschäftigen sich nur wenige im Vorfeld mit dem Gedanken, dass die Polizei relativ leicht eine Person vorläufig festnehmen und für längstens 48 Stunden festhalten kann, ohne einen Richter hinzuzuziehen. Wie leicht kann man heutzutage in diese Situation geraten. Deshalb einige Anmerkungen hierzu: Grundsätzlich kann jedem Menschen, der das 14. Lebensjahr vollendet hat, also strafmündig ist, die Gefahr drohen, einmal vorläufig festgenommen zu werden, wobei die Polizei natürlich entsprechende Voraussetzungen zu beachten hat. Eine vorläufige Festnahme kann beispielsweise zur Vorbeugung von Gefahren oder zur Verfolgung von Straftaten vorgenommen werden. Die im Volksmund als „Ausnüchterungszelle“ bekannte Unterbringung ist z. B. eine Form des präventiven Polizeigewahrsams, da eine stark betrunkene Person, die sich im öffentlichen Raum bewegt, mitunter eine erhebliche Gefahr darstellen kann, weil sie etwa auf die Straße torkeln und einen Verkehrsunfall verursachen könnte. In diesem Fall besteht sogar Gefahr im Verzug, sodass der Betrunkene vorläufig festgenommen und bis zum nächsten Morgen bzw. bis zur Ausnüchterung in Gewahrsam genommen werden kann. Ausreichend kann es u. U. auch sein, Ähnlichkeit mit einem Straftäter aufzuweisen, von einer anderen Person fälschlicherweise bestimmter Straftaten verdächtigt zu werden oder sich selbst, möglicherweise unbewusst, verdächtig zu verhalten. Dann ist es der Polizei möglich, bei einem bestehenden Anfangsverdacht einer Straftat die betreffende Person festzuhalten, um dann überprüfen zu können, ob an der Sache tatsächlich etwas dran ist. Welche Pflichten haben Betroffene bei einer vorläufigen Festnahme? Es müssen lediglich Angaben zur Person gemacht werden, es müssen also Name, Geburtsdatum, eventuell Geburtsort und die Anschrift mitgeteilt werden. Keinesfalls sollte man Polizeibeamte beleidigen oder sich körperlich zur Wehr setzen. Auch dann nicht, wenn man davon überzeugt ist, vollkommen unberechtigt festgenommen worden zu sein. Anderenfalls drohen Strafanzeige und Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Beleidigung, des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, der Körperverletzung oder gar der gefährlichen Körperverletzung. Sie sind auch nicht verpflichtet, irgendetwas zu unterschreiben. Hiervon ist sogar dringend abzuraten.  Die Polizei ist aber verpflichtet, umfassend über die bestehenden Rechte aufzuklären, was nicht immer in ausreichendem Maße geschieht. Eine Unsitte wäre es, wenn dem Betroffenen lediglich eine schriftliche Belehrung ausgehändigt wird und dann verlangt wird, diese auch noch zu unterschreiben. Man ist nicht verpflichtet, eine solche Belehrung zu unterschreiben. Ferner sollte man von dem Recht zu schweigen Gebrauch machen. Auch dann, wenn man „unschuldig“ ist, besteht durch eine Einlassung in diesem Augenblick die Gefahr, dass man sich durch Angaben verdächtig macht und es letztlich doch zu weiteren Ermittlungen kommt. Man darf auch einen Rechtsanwalt anrufen und hat das Recht, dass ein Angehöriger über die Festnahme informiert wird, wobei man nicht immer selbst anrufen darf. Sollte dies aber möglich sein, ist dringend davon abzuraten, mit den Angehörigen über die Tatvorwürfe selbst zu sprechen. Ohne richterliche Anordnung darf die Festnahme nicht länger als 24 Stunden, in Notfällen bis zu 48 Stunden, andauern. Entweder wird die verdächtige Person spätestens nach Ablauf dieser Zeit entlassen oder einem Richter vorgeführt, der über die Anordnung der Untersuchungshaft entscheidet (25.10.2018 ra).

 

 

DATENSCHUTZRECHT: Recht aktuell…

 

Sachen gibt`s… In Wien hat sich, Medienberichten zufolge, ein einzelner Mieter einer städtischen Gemeindewohnung über mangelnden Datenschutz beschwert. Stein des Anstoßes war der Name des Mieters auf dem Klingelschild seiner Wohnung. Der betreffende Wohnungsbesitzer war der Auffassung, dass nach den datenschutzrechtlichen Bestimmungen, insbesondere auf der Grundlage der brandaktuellen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), sein Recht auf Privatsphäre verletzt sei, wenn sein Name auf dem Klingelschild der Wohnung stehe. Um dies zu überprüfen holte die Wiener Wohngemeinschaft eine Stellungnahme der zuständigen Magistratsabteilung der Stadt ein. Diese bestätigte nun zur Überraschung Vieler die Ansicht des Bewohners, dass die Verbindung von Familienname und Wohnungsnummer gegen die DSGVO verstoße. Daraufhin sollen nun in Wien bei 220.000 Wohnungen in rund 2.000 Wohnanlagen bis Ende des Jahres alle Namen an den Klingelschildern entfernt werden. Als Ausgleich ist beabsichtigt, dass statt den Namen nun Nummern an den Klingelschildern angebracht werden, damit Besucher wiederum trotz fehlender Beschriftung in der richtigen Wohnung klingeln können. Sollte ein Mieter beabsichtigen, trotz allem seinen Namen auf dem Klingelschild zu „veröffentlichen“, liegt es in seiner Verantwortung, einen entsprechenden Namensaufkleber anzubringen. Offiziell darf das die Hausverwaltung nun nicht mehr erledigen. Laut Medienmitteilungen in Österreich bestand der Anspruch auf Anonymität schon vor der europarechtlichen Regelung zum Datenschutz. Offenbar wurde die Durchsetzung bislang aber weniger streng gehandhabt (18.10.2018 ra).

 

 

VERKEHRS-/VERSICHERUNGSRECHT: Herbstzeit ist Wildunfallzeit

 

Jedes Jahr ereignen sich mehr als 200.000 Wildunfälle. Dabei sind sowohl an der Unfallstelle als auch im Rahmen der Schadensregulierung viele Dinge zu beachten, da sich anderenfalls ein Strafverfahren anschließen kann oder Schadensersatzansprüche gegenüber der Teilkaskoversicherung nicht durchgesetzt werden können. Nach einem Wildunfall sollte zunächst die Unfallstelle durch Warnblinkanlage und Warndreieck abgesichert werden. Totes Wild sollte an den Straßenrand gezogen, aber keinesfalls eigenmächtig in das Fahrzeug geladen werden. Weiter sollten Polizei und/oder Förster verständigt werden, das Verfolgen von verletztem Wild bringt in aller Regel nichts, hilfreich ist stattdessen, die Unfallstelle mit Stöcken o. ä. zu markieren. Das Suchen des verletzten Wildes ist dann Sache des Jägers. Unfallspuren am Auto sollten keinesfalls entfernt sondern von Polizei oder Förster bestätigen werden (Wildschadenbescheinigung). Auf jeden Fall sollte man sich einen Wildunfall auch von Zeugen (Beifahrer, andere Verkehrsteilnehmer etc.) bestätigen lassen. Wer nach einem Wildunfall einfach weiterfährt, macht sich in aller Regel strafbar, in Betracht kommt eine Straftat nach dem Tierschutzgesetz, sollte das angefahrene Tier schwer leiden und der Kraftfahrzeugfahrer einfach weiterfahren. Übrigens: Wer verunglücktes Wild mitnimmt, um es zu behalten oder zu verwerten, erfüllt den Tatbestand der Jagdwilderei, ebenfalls eine Straftat, die unangenehme Rechtsfolgen nach sich zieht. Schließlich kann die Verletzung der Pflicht, unverzüglich die Polizei von dem Wildunfall zu informieren, zu einer Schadensersatzforderung des Jagdausübungsberechtigten führen. Ein Wildschaden ist grundsätzlich über eine bestehende Teilkaskoversicherung abgedeckt. Nicht übernommen werden dabei Nebenpositionen wie bspw. Wertminderung oder Nutzungsausfall. Sollte man eine Selbstbeteiligung vereinbart haben, wird diese teilweise von Automobilclubs erstattet. Bei einer bestehenden Mitgliedschaft sollte dort also nachgefragt werden. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung wird nicht jeder Schaden, der durch eine Kollision mit einem Tier entstanden ist, ausgeglichen, versichert ist vielmehr grundsätzlich nur eine Kollision mit sogenanntem „Haarwild", also mit Rot-, Dam-, Reh- und Schwarzwild, Feldhase, Fuchs etc.; nicht versichert sind Unfälle mit Hunden, Katzen, Schafen oder Rindern. Bei einer Regulierung über eine Teilkaskoversicherung erfolgt im Übrigen keine Rückstufung! Muss man einem Tier ausweichen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden, sind Schäden aus einem daraus folgenden Unfall grundsätzlich nicht als Wildunfall abgedeckt. Die Rechtsprechung lässt hier allerdings unter gewissen Voraussetzungen Ausnahmen zu, wenn das Ausweichmanöver zur Vermeidung eines Schadens am Auto diente und man einem „großen Tier", also bspw. einem Reh oder Wildschwein, ausgewichen ist. Sicher ist dies allerdings nicht und Sie sollten sich im Bedarfsfall rechtzeitig anwaltlicher Hilfe bedienen.  Im Rahmen der Unfallvermeidung sollten aufgestellte Warnschilder „Wildwechsel" unbedingt beachtet werden. Nach der Rechtsprechung muss auch derjenige, der durch einen Wald fährt, mit Wildwechsel rechnen, auch wenn kein Schild darauf hinweist. Schließlich: Bis zu einem Tempo von etwa 60 km/h können Rehe etc. Fahrzeuge als solches erkennen und die sich hieraus ergebende Gefahr einschätzen. Mit zunehmender Geschwindigkeit steigt allerdings das Unfallrisiko erheblich. In wildgefährdeten Gebieten sollte also im Zweifel die Geschwindigkeit reduziert und der Situation vor Ort angepasst werden (11.10.2018 ra).

 

 

SCHADENSERSATZRECHT: Achtung bei Videoaufnahmen

 

Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main hat es schon vor geraumer Zeit entschieden (Urt. v. 21.01.1987, Az.: 21 U 164/86), Video-Freaks also aufgepasst: Die Videoaufnahme eines stark Betrunkenen und die Weitergabe der Aufnahmen an Dritte stellt eine schwerwiegende Persönlichkeitsrechtsverletzung dar, die zu einem Schmerzensgeldanspruch des Betroffenen führen kann. Der Geschädigte, ein Bauarbeiter, betrank sich in einem erheblichen Ausmaß auf einer Baustelle und war letzten Endes so stark betrunken, dass er mehrfach in den Dreck fiel, dabei lachte, Lieder sang und Kraftausdrücke benutzte. Ein Arbeitskollege fand dies nun sehr lustig und filmte diesen Zustand mit seiner Videokamera. Später wurden die Aufnahmen weiteren Kollegen vorgeführt. Weiter fertigte er auf Wunsch eines Kollegen auch eine Kopie der Aufnahmen an. Der Betrunkene wiederum erhielt aufgrund des Vorfalls eine förmliche Verwarnung seines Arbeitgebers, sodass er schließlich gegen den Kameramann Klage auf Zahlung von Schmerzensgeld einreichte. Nachdem das zunächst zuständige Landgericht die Klage noch abgewiesen hatte, hob das OLG Frankfurt a.M. das Urteil auf und entschied zu Gunsten des Klägers: Dem Kläger stehe ein Anspruch auf Schmerzensgeld zu, da die Filmaufnahmen des Beklagten und deren Weitergabe an Dritte jeweils ohne Zustimmung des Klägers erfolgt waren und eine schwerwiegende Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts darstellten. Der Kläger sei durch die Vorführung des Films vor einer unbekannten Anzahl ihm bekannter und unbekannter Personen ohne jeden anerkennenswerten Beweggrund lächerlich gemacht worden, sodass das Gericht angesichts der Schwere der Persönlichkeitsrechtsverletzung ein Schmerzensgeld von seinerzeit DM 3.000,00 für angemessen hielt. Dabei berücksichtigte das Gericht sogar noch zu Lasten des Klägers, dass dieser sich durch sein eigenes Verhalten während der Arbeitszeit auf der Baustelle selbst ins Unrecht gesetzt und damit die Videoaufnahme ausgelöst habe. Gleichwohl habe er einen Anspruch auf Schmerzensgeld, das heute bei vergleichbaren Sachverhalten sicherlich wesentlich höher ausfallen dürfte (04.10.2018 ra).


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